haGalil – ganz gaga …

„Antisemitismus ist es, wenn man Israel etwas vorwirft, was man sonst niemandem vorwirft.“ (Henryk M. Broder Bestellerautor, Journalist bei SPIEGEL, WELTWOCHE, Tagesspiegel und Jüdische Allgemeine).

Die Regierung in Israel diskutiert über eine Reform des Wahlrechtes, das im Ausland lebenden israelischen Staatsbürgern die Möglichkeit gibt, per Briefwahl an der Wahlteilnehmen. Nichts besonderes also, fast alle parlamentarischen Demokratien auf der Welt machen das auch so.

Nichts besonderes? Lesen Sie, was haGalil daraus macht:

Die Idee der beiden revisionistischen Parteien Likud und Israel Beitenu, sich neue Wählerschichten zu erschließen, indem man auch im Ausland lebenden Israelis das Wahlrecht, per Briefwahl, zugesteht, trifft bei den anderen Parteien, außer den National-Religiösen, auf wenig Gegenliebe…

Also eine „Verschwörung“ der „rechten Regierung“? Nicht nur. haGalil enthüllt finstere Kreisen, eine internationale Weltverschwörung u.a. an der Ostküste der USA steckt hinter dem Plan einer Wahlrechtsreform:

Ein Schelm wer Schlechtes dabei denkt, doch es ist bekannt, dass viele der extremsten Vertreter einer harten Linie im Ausland leben. Man gibt gerne Millionen für Siedlungsprojekte, ob Har Homa oder Ariel, und wenn daraufhin das ganze Land in Flammen aufgeht, ist das sicher bedauerlich, aber immerhin ist man selbst, samt den eigenen Kindern, davon weniger betroffen. Im Gegenteil, bei manchen dieser Couch-Patrioten hat man den Eindruck, dass ihr eigenes beschaulich-langweiliges Leben durch israelische Helden- und Schreckensgeschichten erst die rechte Würze bekommt.

Ob sie wirklich die Mehrheit sind, kann indes niemand zuverlässig sagen. Es mag so erscheinen, weil die Überzeuger der Überzeugten nicht diskutieren, sondern bestenfalls brillieren und sich gegenseitig applaudieren. Die Rechthaberei wird zum Programm. Natürlich könnten “die Linken” gegensteuern, doch wenn Anhänger des Links-Zionismus Positionen der israelisch-sozialdemokratischen MeReZ vertreten, wird ihnen ganz schnell klar gemacht, dass Diskussionen nicht erwünscht sind, jedenfalls keine mit unterschiedlichen Meinungen, da man im Ausland nur die Positionen der Rechten vertreten darf. Von der heimischen Couch aus, ob in München, Manchester oder Miami, darf man zwar zum Krieg aufrufen, aber nicht zu Verhandlungen. Man darf den Siedlungsbau unterstützen, aber nicht den Abzug. Da solche Positionen auch von Vertretern der Botschaft, die eigentlich allen Israelis verpflichtet ist, vertreten wird, entstand eine Schieflage, in der “pro Israel” fast schon mit “pro Likud” verwechselt werden kann.

Was man aber bei haGalil nicht wissen will – weil es nicht sein kann, was nicht sein darf und Linksaußen immer schon Probleme hatten, die Ergebnisse freier Wahlen anzuerkennen – so wie in der Bundesrepublik Deutschland und immer mehr europäischen Ländern, so hat auch in Israel bei den letzten Parlamentswahlen nicht das ultralinke Lager gewonnen,  sondern das bürgerliche Lage verbuchte einen riesigen Wahlerfolg. Und den Meinungsumfragen der letzten Tagen folgend, würde diese Mehrheit heute noch fulminanter ausfallen. Die „stärkste“ linke Partei, die Sozialdemokraten, kamen bei den letzten Parlamentswahlen auf Platz 4, heute würden sie mit etwa 6 bis 7 Prozent der Stimmen nur noch Platz 5 erreichen.

Auch die Leser von haGalil sind offener und fortschrittlicher als die Macher: Rund 62 Prozent sind auf der Online-Umfrageseite zu diesem Thema bei haGalil für die Pläne der bürgerlichen Regierung.  Die geringer werdende Leserschaft beim Familienprojekt scheint sich nicht vorschreiben lassen zu wollen, wie es zu denken hat.

Das ganze Glanzstück des „demokratischen Verständnisses“ finden Sie hier:

http://www.hagalil.com/archiv/2010/02/17/wahlen/

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